Vom 2. August 2025 bis zum 13. Juni 2026 begeht die Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft (EVZ) ihr 25-jähriges Bestehen mit einem vielfältigen Jubiläumsprogramm. Im Mittelpunkt: die Stimmen der Überlebenden, Perspektiven junger Menschen, künstlerische und journalistische Beiträge, Einblicke in die Stiftungsgeschichte sowie Begegnungen der Generationen. Es ist ein Jahr des Erinnerns und ein Jahr des Handelns.
© Claire Demoute
Seit ihrer Gründung im Jahr 2000 hat sich die Stiftung EVZ von ihrem Auftrag ausgehend kontinuierlich weiterentwickelt und sich immer wieder neuen gesellschaftlichen und politischen Aufgaben gewidmet. Aus dem ursprünglichen Auszahlungsauftrag ist eine dynamische Akteurin erwachsen, die sich mit klarer Haltung aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen stellt.
Aktuelle Arbeit: Erinnerung lebendig halten, Demokratie stärken
Heute entwickelt und fördert die Stiftung EVZ internationale Projekte und Aktivitäten, die Erinnerungsarbeit lebendig halten, demokratische Werte stärken und zivilgesellschaftliches Engagement unterstützen. Gemeinsam mit ihren Projektpartner:innen schafft die Stiftung EVZ seit nunmehr 25 Jahren Räume für historisch-politische Bildung und antisemitismus- und antiziganismuskritische Arbeit, begleitet junge Menschen dabei, Ausgrenzung und Diskriminierung zu erkennen – und ihnen entschieden entgegenzutreten. In Mittel- und Osteuropa stärkt sie zivilgesellschaftliche demokratische Strukturen, fördert grenzüberschreitende Zusammenarbeit und initiiert Dialogformate, die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft miteinander verbinden.
Orientierung in Krisenzeiten: KEINE ZEIT ZU VERGESSEN
In einer Zeit multipler Krisen – vom russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine über autoritäre Entwicklungen bis zum Anstieg antisemitischer Gewalt – ist diese Arbeit so aktuell wie nie. KEINE ZEIT ZU VERGESSEN ist heute mehr denn je ein Stiftungsauftrag, der Orientierung gibt und zum Handeln auffordert. Denn wer die Vergangenheit ausblendet, überlässt die Deutung der Geschichte denjenigen, die sie für menschen- und demokratiefeindliche Zwecke instrumentalisieren. Vergessen schafft eine Leere, die sich allzu leicht mit Hass, Hetze und historischen Verzerrungen füllt. Unser Jubiläumsjahr setzt daher ein klares Zeichen: Erinnerung darf nicht verblassen. Verantwortung endet nicht. Zukunft braucht Haltung und gemeinsames Engagement.
Die Entschädigung der Zwangsarbeiter war ein längst überfälliger Akt der Wiedergutmachung. Die fortwährende Erinnerungsarbeit der Stiftung EVZ ist ein wichtiger Beitrag gegen das Vergessen.
Die Gründung der Stiftung: Ein historischer Wendepunkt
Manche Gründungen sind weit mehr als ein formaler Akt – sie sind Zeichen eines historischen und moralischen Wandels. Als am 2. August 2000 die Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft (EVZ) ins Leben gerufen wurde, war dies ein solcher Moment mit Tragweite: Deutschland übernahm Verantwortung für das Leid von Millionen Zwangsarbeiter:innen unter dem NS-Regime – und für eine Schuld, die zu lange ausgeblendet worden war.
Die Gründung der Stiftung EVZ war ein historischer Schritt und Wendepunkt in der deutschen Erinnerungskultur. Nach Jahrzehnten des Schweigens, der juristischen Auseinandersetzungen und des Zögerns und Verweigerns war die Gründung der Stiftung EVZ eine späte Resonanz auf zunehmenden nationalen und internationalen Druck, Sammelklagen abzuwehren. Zugleich war sie eine Reaktion auf die anhaltenden Forderungen von Überlebenden, das Unrecht der NS-Zwangsarbeit anzuerkennen und Entschädigungsleistungen an die Betroffenen auszuzahlen. Staat, Wirtschaft und Gesellschaft übernahmen fortan gemeinsam politische und moralische Verantwortung für dieses flächendeckende Verbrechen nationalsozialistischen Unrechts.
Der Kernauftrag der vor 25 Jahren neu gegründeten Stiftung – Erinnerung, Verantwortung und Zukunft – spiegelt sich im Zitat des Holocaust-Überlebenden und Friedensnobelpreisträgers Elie Wiesel eindrücklich wider:
Für die Toten und die Lebenden müssen wir Zeugnis ablegen. Wir sind nicht nur für die Erinnerungen der Toten verantwortlich, sondern auch für das, was wir mit diesen Erinnerungen tun.
© 2024 Łukasz Patryk Ueberhuber (Künstlername: Luka Iberov)
Was ist in dieser Zeit geschehen?
Zwischen 2001 und 2007 hat die Stiftung EVZ Auszahlungen an mehr als 1,66 Millionen ehemalige Zwangsarbeiter:innen und Rechtsnachfolger:innen in fast 100 Ländern mit insgesamt 4,4 Milliarden Euro geleistet. Sie hat internationale Bildungsprogramme aufgebaut, in denen sich junge Menschen mit der Geschichte von Diskriminierung, Unrecht und Ausgrenzung auseinandersetzen, oft gemeinsam mit Überlebenden.
Sie war Teil großer erinnerungspolitischer Initiativen nach der EU-Osterweiterung, hat zivilgesellschaftliche Strukturen in Mittel- und Osteuropa gestärkt, antisemitismuskritische Bildungsarbeit und den grenz- und generationenübergreifenden Dialog gefördert. Und sie hat sich, ausgehend von ihren unverbrüchlichen Werten, immer wieder neu erfunden: In der Zukunftsagenda von 2021 bündelte die Stiftung ihre langjährigen Erfahrungen und setzte neue Schwerpunkte sowie innovative Impulse, um Erinnerung, Bildung und gesellschaftliches Engagement auch in Zukunft wirksam und nachhaltig zu gestalten. Fazit: Die Stiftung EVZ befindet sich seit 25 Jahren in einem steten Wandel.
Wie sehr diese Haltung das Selbstverständnis der Stiftung prägt, formuliert die Vorstandsvorsitzende Andrea Despot mit Blick auf das Jubiläum: „Wir blicken zurück auf eine Stiftungsgeschichte, die von Verantwortung, Wandel und Engagement geprägt ist.“
Was einst als Auszahlungsprogramm für Zwangsarbeiter:innen begann, hat sich zu einer impulsgebenden Stiftung für lebendige Erinnerungskultur und zivilgesellschaftliches Engagement entwickelt.
„Überlebende nationalsozialistischer Verfolgung bleiben dabei im Fokus unseres Handelns – über soziale Leistungen, Begegnungen der Generationen oder und dem Bewahren ihrer Erinnerungen”, betont die Vorstandsvorsitzende Dr. Andrea Despot.
Verflechtung von Erinnerung, Verantwortung und Zukunft aktueller denn je
Denn gleichzeitig hat sich auch die Welt verändert: Der EU-Beitritt osteuropäischer Länder, die russische Annexion der Krim, das Erstarken autoritärer Regime und rechter Bewegungen in Europa, die COVID-Pandemie, der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine seit 2022 und schließlich der Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 und die anschließenden kriegerischen Konflikte in Nahost – all das hat die Arbeit der Stiftung immer wieder herausgefordert und neu angespornt.
In Deutschland erstarken rechte Bewegungen, in vielen Ländern schrumpfen die Räume für zivilgesellschaftliches Engagement. Gerade deshalb ist die Frage nach Erinnerung, Verantwortung und Zukunft heute aktueller denn je.
Inmitten dieser Herausforderungen erinnert Annette Schavan, Vorsitzende des Kuratoriums, eindringlich an den ursprünglichen Auftrag der Stiftung – und an seine ungebrochene Relevanz: „Die Stiftung EVZ steht für die Auseinandersetzung mit einem der dunkelsten Kapitel unserer Geschichte. Ihre Gründung markierte einen mutigen und wegweisenden Moment, in dem Deutschland Verantwortung übernahm – nicht nur mit Worten, sondern mit Taten. Dieses Jubiläumsjahr lädt uns ein, innezuhalten und die Bedeutung dieser Arbeit ins Zentrum zu rücken.”
Die Stiftung bewahrt die Erinnerung und stärkt das Bewusstsein für Menschlichkeit, Gerechtigkeit und Versöhnung in unserer Gesellschaft. Sie zeigt uns, dass Erinnerung keine Last, sondern eine Verpflichtung ist – die Verpflichtung, aus der Vergangenheit zu lernen, um eine friedliche Zukunft zu gestalten.
Gemeinsames Engagement, neue Allianzen, laute Antworten
Vom 2. August 2025 bis 13. Juni 2026 begeht die Stiftung EVZ das Stiftungsjubiläum mit einem vielseitigen Programm, das Stimmen der Überlebenden, Perspektiven junger Menschen, Kunst, Journalismus und Begegnungen der Generationen vereint. Im Zentrum stehen dabei jene, denen die Stiftung verpflichtet bleibt: die ehemaligen Zwangsarbeiter:innen und Opfer des nationalsozialistischen Unrechts. Ihre Stimmen, ihr Leid, ihr Mut – sie sind das Fundament der Arbeit der Stiftung EVZ.
Zugleich würdigt die Stiftung EVZ ihre Gründungsgeschichte und das Engagement der Partnerinstitutionen. Zahlreiche Menschen haben sich in den von der Stiftung geförderten Projekten für Demokratie und Menschenrechte engagiert, neue Allianzen geschmiedet und gemeinsam nach Antworten gesucht, wie Erinnerungskultur in einer sich wandelnden Welt lebendig bleibt. Ihre vielfältigen, kreativen und lauten Antworten sind für uns immer wieder handlungsleitend.
Zukunft braucht Haltung
In einer Zeit multipler globaler Krisen und schrumpfender zivilgesellschaftlicher Spielräume sendet das Jubiläum der Stiftung EVZ ein klares Signal: Erinnerung darf nicht verstummen. Verantwortung kennt keine Frist. Zukunft braucht Haltung.
Auch in der Zukunft Impulse setzen
Gemeinsam mit Partnerinstitutionen und Projektträger:innen setzt die Stiftung auch weiterhin Impulse für historisch-politische Bildung, für zivilgesellschaftliches Engagement und für eine friedliche Gegenwart und Zukunft.
Dabei liegt noch jede Menge Arbeit vor uns und unseren Mitstreitenden.

