In der Videoreihe #25EVZVoices veröffentlichen wir im Laufe des Jubiläumzeitraums 2025 bis 2026 Kurzinterviews mit einer Auswahl zentraler Wegbegleiter:innen aus 25 Jahren Stiftung EVZ.
Warum haben wir gerade jetzt KEINE ZEIT ZU VERGESSEN? Was wünschen Sie sich von der Stiftung EVZ für die Zukunft? Was verbinden Sie mit Erinnerung, was mit Verantwortung und Zukunft? Diese und weitere Fragen stellen wir ausgewählten Wegbegleiter:innen der Stiftung EVZ. Die Videos veröffentlichen wir auf unseren Social-Media-Kanälen.
Seit 2020 ist Dr. Andrea Despot Vorstandsvorsitzende der Stiftung EVZ. „Ich habe [davor] im europäischen Kontext [u.a. bei der Europäischen Akademie Berlin e.V., in der internationalen Bildungs und Vermittlungsarbeit] gearbeitet“, erzählt sie. „Europa ist ja auf den Trümmern des Zweiten Weltkriegs errichtet worden, und deswegen […] habe mich natürlich sofort zur Stiftung EVZ hingezogen gefühlt.“
Sie erinnert persönlich, „weil uns Erinnern die Geschichte ins Gedächtnis holt und weil Erinnern und Gedenken uns eine Orientierung für das hier und heute gibt“. Mit Erinnerung verbindet sie „Menschen, die in unserem Fall den Nationalsozialismus erlebt haben, oft Verfolgung, Diskriminierungen ausgesetzt waren und trotzdem ihr Vermächtnis weitergeben, ihre Geschichte weitererzählen.“
Annette Schavan ist seit 2019 Kuratoriumsvorsitzende der Stiftung EVZ. Von 2005 bis 2014 war sie Mitglied des Deutschen Bundestages sowie von 2005 bis 2013 Bundesministerin für Bildung und Forschung.
„Erinnerung schützt davor, blind vor neuen Gefahren zu werden“, mahnt Annette Schavan. Mit Verantwortung verbindet sie, „dass keine Generation ignorieren darf, was geschehen ist" und mit Zukunft, „dass sie sich so gestaltet, wie ich Gegenwart verstehe und Vergangenheit erinnere. Erinnerte Vergangenheit und verstandene Gegenwart gehören auf alle Wege und in alle gleichsamen Pläne für die Zukunft.“
Günter Saathoff war maßgeblich an der Vorbereitung und Ausformulierung des Gesetzes der Stiftung EVZ und anderer Regelungen zur Entschädigung von NS-Opfern beteiligt. Von 2003 bis 2017 war er Vorstand der Stiftung EVZ.
„Mit dem Begriff ‚Erinnerung‘ verbinde ich zweierlei“, sagt Günter Saathoff. „Einmal zu verstehen, wie unser Leben durch unsere Vergangenheit definiert und bestimmt wurde und zweitens Erinnerung an bestimmte Menschen, die gelitten haben, die ich nicht vergessen will und von denen ich auch nicht will, dass sie durch die Gesellschaft vergessen werden.“
Dr. Michael Gander ist Geschäftsführer der Gedenkstätten Gestapokeller und Augustaschacht e. V. Er leitete das Projekt „Von einem Ort des Jubels zu einem Ort des Unrechts. Zwangsarbeitslager auf Fußball- und Sportplätzen“ der Bildungsagenda NS-Unrecht.
Mit Erinnerung verbindet Dr. Michael Gander „den Blick auf die Geschichte, indem wir uns ein möglichst umfassendes Bild machen, multiperspektivisch uns mit verschiedenen Interpretationen auseinanderzusetzen und auch versuchen, die verschiedenen Handlungsweisen von Menschen nachzuvollziehen […].“
Prof. Jonas Rees ist Professor für Politische Psychologie an der Universität Bielefeld. Seit 2017 ist er Studienleiter der MEMO-Studien der Stiftung EVZ und der Universität Bielefeld.
„Für mich persönlich ist unsere politische Haltung in der Gegenwart immer auch geprägt durch die Erinnerung an unsere deutsche Vergangenheit, und deswegen finde ich, [...] ist es auch wichtig, dass wir uns mit solchen Themen beschäftigen“, sagt Jonas Rees. Er findet es besonders spannend, „wie wir uns über unsere Mitgliedschaft in Gruppen definieren und hier kommt die Erinnerung als ganz zentrales Konzept ins Spiel, weil wir uns auch als Gruppe über unsere Erinnerung definieren“.
Irina Scherbakowa ist Gründungsmitglied von Memorial International, welche bei der Gründung der Stiftung EVZ beratend dabei war.
„Unser Anliegen seit der Gründung 1989 war die Erinnerung an die politischen Repressionen und an den Massenterror und […] auch im Exil ist es unsere Aufgabe, stets die Menschen daran zu erinnern, dass es diese Verbrechen in der Geschichte gab“, sagt Irina Scherbakowa. Warum haben wir KEINE ZEIT ZU VERGESSEN? „Wir können am Beispiel Russland deutlich sehen, wozu […] dieses Vergessen und die Instrumentalisierung der Geschichte […], Fälschung der Geschichte, führt. […] Letztendlich nicht nur zur Propaganda, sondern […] zur Rechtfertigung eines aggressiven Krieges gegen die Ukraine.“
Cellestino Peter Kraus war als Delegierter der @sintiallianz Mitglied des Kuratoriums der Stiftung EVZ. Er studiert Politikwissenschaften & Philosphie und arbeitet u.a. als studentische Hilfskraft im Deutschen Bundestag.
Cellestino Peter Kraus brachte die Perspektiven und Anliegen der Sinti:ze und Rom:nja in die strategische Ausrichtung der Stiftung mit ein. Außerdem machte er sich für eine stärkere Einbindung der Jugend stark. Cellestino Peter Kraus verbindet mit Erinnerung „immer wieder daran zu denken, was passiert ist, um das zu analysieren und dann zu verstehen, wie es dazukam.“ Er appelliert: „Wir müssen aus der Erinnerung heraus Verantwortung übernehmen, damit die Zukunft gut wird.“