Der Übergang von der Erinnerung der Erlebnisgeneration und ihrer direkten Nachkommen zu einer Erinnerung über historische Quellen, Orte, Medien und Artefakte markiert eine tiefgreifende Zäsur. Mit dem wachsenden zeitlichen Abstand zum Nationalsozialismus droht ein Bedeutungs- und Empathieverlust, der durch Desinformation, Geschichtsrevisionismus und politische Instrumentalisierung von Erinnerung noch verstärkt wird. Gleichzeitig verändern eine immer diversere Gesellschaft, die digitale Transformation und globale Krisen die Perspektiven auf Geschichte und die Anforderungen an ihre Vermittlung. 

Die Stiftung EVZ reagiert auf diesen Wandel mit innovativen und partizipativen Bildungsformaten. In Theaterprojekten, im Klassenzimmer, in virtuellen Lernräumen und bei internationalen Begegnungen unterstützt sie Bildungsakteur:innen, Künstler:innen und Engagierte dabei, Geschichte in zeitgemäße Formate zu übersetzen und sich europaweit zu vernetzen. Sie stärkt eine transnationale Erinnerungskultur, die sich aus verschiedenen Perspektiven speist und zum Nachdenken anregt.  

Entscheidend ist, dass junge Menschen selbst als Forschende, Erzählende oder Fragende aktiv werden. Sie prägen die Erinnerungskultur von morgen. Peer-to-Peer-Lernen fördert ein selbstbestimmtes, kritisches Geschichtsbewusstsein und ermöglichen es, historische Themen mit der eigenen Lebensrealität zu verknüpfen. 

Geschichte muss sollte heute auich non-formal und niedrigschwellig vermittelt werden können. Beim Theaterstück Rastplatz Marzahn etwa setzten sich 2017 Jugendliche an dem historischen Ort eines ehemaligen Sammellagers für Sinti:ze und Rom:nja mit Zeitzeug:innenberichten und historischen Quellen auseinander und brachten ihre Ergebnisse in einer eigenen Theaterinszenierung auf die Bühne. 

Innovative, interaktive Formate wie das Graphic Novel und Serious Game „Max Mannheimer – ben jakov Überlebenskünstler“ – ausgezeichnet mit dem Pädagogischen Medienpreis 2025 – dringen in den digitalen Raum vor. Spielerisch können Nutzer:innen darin die Lebensstationen von Max Mannheimer entdecken, Entscheidungen treffen, historische Quellen erkunden und in Zeitzeug:innenberichte eintauchen.

Begleitet wird diese Arbeit durch die repräsentativen MEMO-Studien (seit 2018), die regelmäßig erfassen, wie es um die Erinnerungskultur in Deutschland und Europa steht. Die Daten zeigen, wo Wissenslücken bestehen, welche Aspekte der NS-Geschichte unterschätzt oder verzerrt wahrgenommen werden und wo Bildungsarbeit besonders nötig ist. Auf dieser Grundlage kann die Stiftung EVZ gezielt evidenzbasierte Angebote entwickeln, die Lücken schließen, Diskussionen anstoßen und die Erinnerungskultur lebendig halten.