Als am 2. August 2000 die Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft (EVZ) mit Unterstützung aller damaligen Bundestagsfraktionen gegründet wurde, markierte dies einen historischen und moralischen Wendepunkt. Deutschland stellte sich damit seiner Verantwortung gegenüber Millionen Menschen, die während des Nationalsozialismus Zwangsarbeit leisten mussten oder auf andere Weise schweres Unrecht erlitten hatten.
Mit der Stiftung wurde ein rechtlicher Rahmen geschaffen, um ehemaligen Zwangsarbeiter:innen humanitäre Leistungen auszuzahlen, die Erinnerung an das NS-Unrecht für kommende Generationen zu bewahren und internationale Projekte der Versöhnung und Völkerverständigung zu fördern.
Der Weg zur Stiftungsgründung war lang. Ihr vorausgegangen waren Jahrzehnte des Schweigens, der juristischen Auseinandersetzungen und des politischen Zögerns. Die Gründung der Stiftung EVZ war eine späte Antwort auf den zunehmenden nationalen und internationalen Druck und auf anhaltende Forderungen von Überlebenden. Es war auch der Ansatz, um Sammelklagen abzuwehren. Staat, Wirtschaft und Gesellschaft – die eigentlichen Profiteure der NS-Zwangsarbeit – übernahmen gemeinsam politische und moralische Verantwortung für dieses flächendeckende NS-Verbrechen.
Das Stiftungsvermögen in Höhe von 10,1 Milliarden DM (5,2 Milliarden Euro) wurde je zur Hälfte vom Bund und der Stiftungsinitiative der deutschen Wirtschaft bereitgestellt. Bei den Auszahlungen arbeitete die Stiftung EVZ mit sieben Partnerorganisationen zusammen. Diese bearbeiteten die Anträge und verantworteten die Auszahlungen. Am 13. Juni 2001 leistete eine der Partnerorganisationen, der Deutsch-Tschechische Zukunftsfonds, die ersten Auszahlungen in Höhe von insgesamt 55.612.425 DM.
Heute entwickelt und fördert die Stiftung EVZ internationale Projekte und Initiativen, die die Erinnerung lebendig halten, demokratische Werte stärken und zivilgesellschaftliches Engagement unterstützen. Gemeinsam mit Partner:innen in Deutschland, Mittel- und Osteuropa und Israel schafft sie Räume für historisch-politische Bildung sowie antisemitismus- und antiziganismuskritische Arbeit und unterstützt junge Menschen dabei, Diskriminierung zu erkennen und ihr entschlossen entgegenzutreten.

Die Aufnahme entstand im Juli 1938 im KZ Dachau. Der Arbeitseinsatz erfolgte in Unternehmen und Kleinbetrieben, Kommunen, Lagern, in der Landwirtschaft und im privaten Bereich.
© Foto o. Ang.| 20.7.1938, Quelle: Bundesarchiv, Bild 152-26-20

Die Beteiligten der Stiftungsinitiative der deutschen Wirtschaft zur Entschädigung von NS-Zwangsarbeiter:innen treten im Weltsaal des Auswärtigen Amts zu einer Plenarsitzung zusammen, 26. August 1999.
© BArch, B 145 Bild 00161018 / Engelbert Reineke

Antragsteller:innen in der polnischen Partnerorganisation Stiftung „Polnisch-Deutsche Aussöhnung“ in Warschau.
© Stiftung „Polnisch-Deutsche Aussöhnung“

Am 12. Juni 2007 wurde das Auszahlungsverfahren mit einem offiziellen Festakt des Bundespräsidenten Horst Köhler im Beisein der Bundeskanzlerin Angela Merkel im Schloss Bellevue abgeschlossen
© Bundesregierung, B 145 Bild-00138954/ Sandra Steins

Aus dem ursprünglichen Auszahlungsauftrag ist heute eine Akteurin der kritischen Erinnerungskultur erwachsen, die sich mit klarer Haltung aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen stellt.
© Lena Siebrasse
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