25 Jahre Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft (EVZ)

Als am 2. August 2000 die Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft (EVZ) mit Unterstützung aller damaligen Bundestagsfraktionen gegründet wurde, markierte dies einen historischen und moralischen Wendepunkt. Deutschland stellte sich damit seiner Verantwortung gegenüber Millionen Menschen, die während des Nationalsozialismus Zwangsarbeit leisten mussten oder auf andere Weise schweres Unrecht erlitten hatten.  

Mit der Stiftung wurde ein rechtlicher Rahmen geschaffen, um ehemaligen Zwangsarbeiter:innen humanitäre Leistungen auszuzahlen, die Erinnerung an das NS-Unrecht für kommende Generationen zu bewahren und internationale Projekte der Versöhnung und Völkerverständigung zu fördern.

Der Weg zur Stiftungsgründung war lang. ​​Ihr vorausgegangen waren Jahrzehnte des Schweigens, der juristischen Auseinandersetzungen und des politischen Zögerns. Die Gründung der Stiftung EVZ war eine späte Antwort auf den zunehmenden nationalen und internationalen Druck und auf anhaltende Forderungen von Überlebenden. Es war auch der Ansatz, um Sammelklagen abzuwehren. Staat, Wirtschaft und Gesellschaft – die eigentlichen Profiteure der NS-Zwangsarbeit – übernahmen ​gemeinsam politische und moralische Verantwortung für dieses flächendeckende NS-Verbrechen.  

Das Stiftungsvermögen in Höhe von 10,1 Milliarden DM (5,2 Milliarden Euro) wurde je zur Hälfte vom Bund und der Stiftungsinitiative der deutschen Wirtschaft bereitgestellt. Bei den Auszahlungen arbeitete die Stiftung EVZ mit sieben Partnerorganisationen zusammen. Diese bearbeiteten die Anträge und verantworteten die Auszahlungen. Am 13. Juni 2001 leistete eine der Partnerorganisationen, der Deutsch-Tschechische Zukunftsfonds, die ersten Auszahlungen in Höhe von insgesamt 55.612.425 DM.

Heute entwickelt und fördert die Stiftung EVZ internationale Projekte und Initiativen, die die Erinnerung lebendig halten, demokratische Werte stärken und zivilgesellschaftliches Engagement unterstützen. Gemeinsam mit Partner:innen in Deutschland, Mittel- und Osteuropa und Israel schafft sie Räume für historisch-politische Bildung sowie antisemitismus- und antiziganismuskritische Arbeit und unterstützt junge Menschen dabei, Diskriminierung zu erkennen und ihr entschlossen entgegenzutreten.

Der lange Weg zur Stiftungsgründung

  • 1939 – 1945

    Über 26 Millionen Menschen mussten im Deutschen Reich und in den von Deutschland besetzten und kontrollierten Gebieten Zwangsarbeit leisten.

  • 1953

    Bundesentschädigungsgesetz schließt ehemalige Zwangsarbeiter:innen von Entschädigungszahlungen aus.

  • 1952 – 1964

    Bundesrepublik Deutschland leistet Zahlungen an verschiedene Staaten („Globalabkommen“); individuelle Ansprüche bleiben ausgeschlossen.

Der lange Weg zur Stiftungsgründung Teil 2

  • 1950 – 1953

    Die Schadensersatzklage von Norbert Wollheim gilt als Musterfall und eine der ersten Klagen eines ehemaligen NS-Zwangsarbeiters. Seinem erfolgreichen Vorbild folgten weitere Klagen von Menschen, die Zwangsarbeit bei I.G. Farben leisten mussten.

  • 1998

    Internationaler Druck nimmt zu. Alle damaligen Bundestagsfraktionen einigen sich auf Stiftung zur Entschädigung von NS-Zwangsarbeit unter Beteiligung der deutschen Wirtschaft.

  • 2. August 2000

    Gesetz zur Gründung der Stiftung EVZ wird verabschiedet.

Der lange Weg zur Stiftungsgründung Teil 3

  • 2007

    Offizieller Abschluss des Auszahlungsverfahrens. 1,66 Millionen ehemalige Zwangsarbeiter:innen und ihre Rechtsnachfolger:innen erhielten insgesamt 4,4 Milliarden Euro.

  • 2025

    In 25 Jahren förderte die Stiftung EVZ über 6.000 Projekte mit rund 2.500 Partnerorganisationen und über 313 Millionen Euro.