Nach 1945 erhielten viele Überlebende weder Anerkennung noch Unterstützung bei der Bewältigung ihrer traumatischen Erfahrungen. Ausgrenzung, Armut und Schweigen prägten oft ganze Jahrzehnte ihres Lebens. Heute sind die Überlebenden hochbetagt und oft auf Hilfe angewiesen. Seit 2000 fördert die Stiftung EVZ daher insbesondere in Mittel- und Osteuropa sowie in Israel Projekte, die Überlebenden soziale Teilhabe ermöglichen, ihre Grundbedürfnisse sichern und eine würdevolle Versorgung im Alter gewährleisten. Dazu gehören Hausbesuchs- und Freiwilligendienste, soziale Treffpunkte, Beratungsangebote oder therapeutische Biografiearbeit. Zugleich setzt sich die Stiftung dafür ein, dass Politik und Gesellschaft ihre Verantwortung gegenüber Überlebenden wahrnehmen. 

Im Rahmen der Kampagne „Ich lebe noch – Überlebende der NS-Verbrechen“ organisierte die Stiftung in den Erinnerungsjahren 2014 und 2015 Zeitzeug:innen-Gespräche und holte die Biografien und Gesichter der Überlebenden in den öffentlichen und digitalen Raum.

Das geförderte Fotoprojekt „Ma Bistrass! – Gegen das Vergessen“ des Künstler Luigi Toscano würdigt seit 2024 in großformatigen, eindrucksvollen Porträt-Fotografien und über persönliche Erzählungen NS-Überlebende der Sinti:ze- und Rom:nja-Community, macht sie sichtbar und teilt ihre Erfahrungen.

Das Förderprogramm Treffpunkt Dialog führt den Kernauftrag der Stiftung fort – am Küchentisch, bei Spaziergängen oder in Gesprächsrunden. Hier sind lokale Netzwerke in Deutschland und der Ukraine entstanden, in denen junge Freiwillige Überlebende im Alltag unterstützen, Hausbesuche organisieren, Hilfe bei Besorgungen leisten und generationenübergreifende Begegnungsformate anbieten. Ziel ist es, soziale Isolation zu verringern, gesellschaftliche Teilhabe zu fördern und Erinnerungskultur im direkten Austausch zu verankern. Die mehrsprachige Wanderausstellung „… wie das Atmen frischer Luft“ machte 2016 bis 2017 die Wirkung dieses Austausches greifbar: Die Journalistin Lesya Kharchenko führte Interviews mit Überlebenden in Russland, der Ukraine und Belarus. Die Lebensgeschichten, die ihr dabei erzählt wurden, zeugen von unvorstellbarem Leid, aber auch von Kraft und Lebensmut.

 

Jubiläumsförderprogramm KEINE ZEIT ZU VERGESSEN

Das Jubiläumsprogramm KEINE ZEIT ZU VERGESSEN richtet sich 2025 besonders an hochbetagte NS-Überlebende aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion, die heute in Deutschland leben – Personen, deren Lebenswege geprägt sind von Krieg, Nichtanerkennung ihrer Verfolgungsgeschichte, Neuanfang und oft auch von Altersarmut. Das Programm zielt darauf ab, ihren Alltag zu erleichtern, Solidarität zu zeigen, Verantwortung zu übernehmen und sicherzustellen, dass die Geschichten der Überlebenden nicht verstummen.

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