Obwohl sie allgegenwärtig war und Millionen Menschen betraf – die Anerkennung von Zwangsarbeit als NS-Unrecht war nach Kriegsende keinesfalls selbstverständlich. Dieser Podcast erzählt die Hintergründe und die Aufarbeitung dieses Massenverbrechens anhand einer familiären Spurensuche.
Vor 25 Jahren wurde die Stiftung EVZ gegründet und ehemalige Zwangsarbeiter:innen konnten eine Auszahlung beantragen. Aber was geschah bis dahin? Und welche Auswirkungen hatte diese historische Entscheidung für die Betroffenen? Dem geht Schauspieler und Podcasthost Daniel Christensen am Beispiel seines eigenen tschechischen Großvaters Ludvik Jirus nach, der als junger Mann selbst Zwangsarbeit für die deutsche Besatzungsmacht in Prag leisten musste. Anhand der persönlichen Zeugnisse seines Großvaters, Berichten anderer Zeitzeug:innen und Gesprächen mit Wegbegleiter:innen fächert Christensen die Geschichte(n) hinter der Stiftung EVZ auf. Vier Folgen, die zum Nachdenken einladen – über berührende Einzelschicksale, politische Diplomatie und den Kampf, staatliches Unrecht als solches anzuerkennen.
Die Folgen erscheinen ab dem 27. November alle drei Wochen – auf unserem YouTube-Kanal, bei Spotify, Apple Podcasts und überall dort, wo es Podcasts gibt.
Podcasthost: Daniel Christensen
Idee und Projektleitung: Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft (EVZ)
Konzept, Recherche, Interviewführung und Text: Vera Teichmann, speak low, Berlin.
Produktion: speak low, Berlin.
Mit der im Jahr 2000 gegründeten Stiftung EVZ war der Weg frei für Auszahlungen an die noch lebenden ehemaligen NS-Zwangsarbeiter:innen. Doch wie erreichte man die über eine Million mittlerweile betagten Menschen, die in aller Welt verstreut lebten? Und warum erhielt Ludvik Jirus, der Großvater von Podcasthost Daniel Christensen, keine Leistung, obwohl auch er Zwangsarbeit leisten musste?
Die dritte Folge von „Wert & Würde“ nimmt Zuhörer:innen mit in den hochkomplexen Auszahlungsprozess in Mittel- und Osteuropa. Einblicke geben unter anderem die Historiker:innen Martin Bock und Gabriele Freitag, die das Verfahren auf deutscher Seite koordinierten; Jakub Deka und Darina Sedláčková berichten wiederum, wie sie Betroffene in Polen und Tschechien erreichten und weshalb Vertrauen in der Zusammenarbeit mit der deutschen Stiftung so wichtig war. Auch die Hürden und Zumutungen, die das Verfahren begleitet haben, sind Thema dieser Folge. Sie zeigen eindrücklich: Selbst nach erfolgreicher Gründung der Stiftung EVZ mussten auch im Auszahlungsprozess Fragen von Gerechtigkeit, Anerkennung und Würde immer wieder neu ausgehandelt werden.
Links aus dieser Folge:
• Website der Stiftung Polnisch-Deutsche Aussöhnung
• Website des Deutsch-Tschechischer Zukunftsfonds
• Ganzes Interview mit Zdzisława Wojciechowska (Interview-Archiv „Zwangsarbeit 1939-1945“)
• Ganzes Interview mit Alexandra Galkina (Interview-Archiv „Zwangsarbeit 1939-1945“)
Wo verläuft die Grenze zwischen einer Entschädigung und der symbolischen Anerkennung von Leid? Wie findet man eine Einigung, wenn die Interessen der Streitparteien unvereinbar scheinen? Und warum war die gesellschaftliche Atmosphäre der 1990er-Jahre ausschlaggebend für die Gründung der Stiftung EVZ?
In der zweiten Folge von „Wert & Würde“ zeichnet Podcasthost Daniel Christensen den langen und mühsamen Weg nach, der den Auszahlungen an ehemalige NS-Zwangsarbeiter:innen im Jahr 2000 vorausging. Es wird erläutert, welche Meilensteine diesen Weg ebneten und wie Schuldabwehr und fehlendes Verantwortungsbewusstsein die Einigung fast scheitern ließen. Zu Wort kommen unter anderem die ukrainische ehemalige Zwangsarbeiterin Inessa Mirtschewskaja, der Historiker Constantin Goschler, der frühere US-amerikanische Sonderbeauftragte Stuart E. Eizenstat sowie Michael Jansen und Jörg Freiherr Frank von Fürstenwerth, die bei den Verhandlungen die Seite der Stiftungsinitiative vertraten.
Links aus dieser Folge:
• Gesetz zur Errichtung einer Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“
• Ganzes Interview mit Inessa Mirtschewskaja (Interview-Archiv „Zwangsarbeit 1939-1945“)
• Informationen der Evonik Industries: DEGUSSA in der NS-Zeit
• Publikation von Stuart E. Eizenstat (2003): Unvollkommene Gerechtigkeit
• Publikation von Constantin Goschler (2005): Schuld und Schulden - die Politik der Wiedergutmachung für NS-Verfolgte seit 1945
• Publikation von Andrea Schneider-Braunberger/Philipp Meder (2024): Verantwortung gegenüber der eigenen Geschichte
Die Millionen aus den besetzen Gebieten verschleppten Zwangsarbeiter:innen waren in NS-Deutschland alles andere als unsichtbar. Doch wie funktionierte dieses ausbeuterische System, auf das sich die deutsche Kriegswirtschaft stützte? Was bedeutete die menschenverachtende Ideologie für die Lebensbedingungen der betroffenen Menschen? Und wie prägte die Zeit als NS-Zwangsarbeiter:innen die Lebenswege Einzelner ganz persönlich?
In dieser ersten Folge geht es um die Geschichte der NS-Zwangsarbeit als Gesellschaftsverbrechen. Podcasthost Daniel Christensen gibt Einblicke in das berührende Schicksal seines tschechischen Großvaters Ludvik Jirus, der 1944 als 18-Jähriger für eine deutsche Firma arbeiten musste. Neben Jirus‘ Geschichte erzählt die Folge auch die der polnischen ehemaligen Zwangsarbeiterin Alicja Kubecka. Die Historiker:innen Christine Glauning und Mark Spoerer ordnen die die Erinnerungen faktenbasiert ein und liefern Hintergründe zum Themenkomplex NS-Zwangsarbeit und seiner Aufarbeitung.
Links aus dieser Folge:
• Interview-Archiv „Zwangsarbeit 1939-1945“
• Ganzes Interview mit Alicja Kubecka (im Interview-Archiv)
• Website des Dokumentationszentrums NS-Zwangsarbeit in Berlin
• Publikation von Mark Spoerer (2001): Zwangsarbeit unter dem Hakenkreuz. Ausländische Zivilarbeiter, Kriegsgefangene und Häftlinge im Deutschen Reich und im besetzten Europa 1939-1945
• Informationen zum Leipziger Rüstungskonzern Hugo-Schneider-Aktiengesellschaft (HASAG)
