Anlässlich des 25-jährigen Jubiläums der Stiftung EVZ reisten elf Überlebende der NS-Verfolgung als Ehrengäste aus Belarus, Deutschland, Israel, Polen, Tschechien und der Ukraine mit ihren Begleitpersonen nach Berlin. Rund um den Festakt der Stiftung am 3. Dezember 2025 hatten die Ehrengäste die Gelegenheit, sich auszutauschen und an verschiedenen Veranstaltungen teilzunehmen. Vor dem Festakt-Veranstaltung im Jüdischen Museum Berlin fand ein Gespräch mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier statt.
© Stefanie Loos
Im Zweiten Weltkrieg wurde Anastasiia Gulej zum Arbeitseinsatz gezwungen und ins Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert. Im Januar 1945 schickte man sie auf einen der Todesmärsche. Im Konzentrationslager Bergen-Belsen wurde sie 1945 von britischen Truppen befreit.
Sie kehrte in ihre Heimat zurück und lebte mit ihrem Mann in Kyjiw. Anastasiia Gulej hat in der Ukraine und in vielen Ländern Europas Zeitzeugengespräche geführt. 2020 erhielt sie das Bundesverdienstkreuz. 2022 floh sie vor dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine nach Deutschland. 2023 ging sie zurück nach Kyjiw.
Zum Kurzinterview, Zeitzeuginnengespräch und dem Buch über Anastasiia Gulej.
© Łukasz Patryk Ueberhuber (Künstlername: Luka Iberov)
Andrei Iwanowitsch Moiseenko wurde 1941 im Alter von 15 Jahren zur Zwangsarbeit nach Leipzig verschleppt. Da er verdächtigt wurde, Anführer einer Gruppe Aufständischer zu sein, wurde er in ein Gestapo-Gefängnis in Leipzig interniert und tagsüber zu Arbeitseinsätzen gebracht. 1944 wurde er in das Konzentrationslager Buchenwald deportiert und 1945 von der US-Armee befreit.
Seit Kriegsende lebte Andrei in Minsk, Belarus. Er heiratete, bekam zwei Kinder und arbeitete über 40 Jahre als Projektingenieur. Seit seiner Rente engagiert er sich in der Geschichtswerkstatt Minsk. Er fährt seit über 15 Jahren jedes Jahr zum Gedenktag nach Buchenwald und ist regelmäßig auf Reisen für Filmvorführungen und Zeitzeugengespräche.
Zum Dokumentationsfilm, einem Interview und seiner Deutschlandtour 2026.
© Łukasz Patryk Ueberhuber (Künstlername: Luka Iberov)
Christian Pfeil wurde 1944 im Ghetto Lublin im deutsch-besetzten „Generalgouvernement“ geboren, wohin seine Familie im Mai 1940 deportiert wurden. Hier wurden sie gezwungen, Zwangsarbeit zu leisten.
Nach der Befreiung kehrte die Familie in ihren Heimatort Trier zurück, wo sich Christian Pfeil eine erfolgreiche Existenz als Gastronom aufbaute, die jedoch immer wieder durch rechtsextreme und rassistische Angriffe überschattet wurde. Seit vielen Jahren setzt er sich für die Stärkung des lokalen Gedenkens in der Stadt ein. Pfeil vertrat in der Vergangenheit das Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma im International Auschwitz-Komitee und hielt mehrere Gedenkreden.
Zum Dokumentarfilm, dem “Drei Fragen an…”-Interview und einem Videointerview.
© Łukasz Patryk Ueberhuber (Künstlername: Luka Iberov)
Roman Schwarzmans Vater und sein älterer Bruder wurden zum Kriegsdienst eingezogen. Die Mutter und die acht Kinder wurden 1941 in das deutsch-rumänisch kontrollierte Ghetto Berschad interniert. Roman Schwarzmann wurde am 29. März 1944 von der Roten Armee befreit.
1955 zog er nach Odessa und wurde Ingenieur. Er gründete eine Familie. Lange Jahre verschwieg er, ein Opfer der Judenverfolgung gewesen zu sein – aus Sorge vor Repressalien in der damaligen Sowjetunion.
Heute ist er vom russischen Angriffskrieg auf die Ukraine betroffen. Er ist Vorsitzender des Regionalen Verbandes Odessa der ehemaligen Ghetto- und Konzentrationslagerhäftlinge und hat 2025 bei der Gedenkrede zum 27. Januar im Deutschen Bundestag gesprochen. In diesem Jahr wurde ihm die hohe Auszeichnung des Ehrenbürgers von Odessa verliehen.
Zu seiner Rede im Bundestag und der Jugendbegegnung des Bundestages.
© Łukasz Patryk Ueberhuber (Künstlername: Luka Iberov)
Bogdan Bartnikowski wurde während des Warschauer Aufstandes 1944 zusammen mit seiner Mutter in das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert. Dort wurde er von seiner Mutter getrennt und zur Arbeit auf dem Lagergelände gezwungen. Im Januar 1945, im Zuge der Räumung des Lagers, wurde er in das KZ-Außenlager Berlin-Blankenburg verlegt, wo er Trümmer räumen musste. Am 22. April 1945 befreiten Soldaten der Roten Armee das Außenlager.
Bogdan Bartnikowski kehrte nach Polen zurück und wurde Pilot. Er verfasste mehrere Bücher, in denen er seine Lebensgeschichte erzählt. Er lebt in der Nähe von Warschau.
Zu einem Zeitungsartikel und einem Videointerview.
© Łukasz Patryk Ueberhuber (Künstlername: Luka Iberov)
Barbara Doniecka (damals Racka) wurde nach dem Warschauer Aufstand 1944 in das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert und anschließend zur Zwangsarbeit in Berlin.
Heute lebt sie in Warschau.
Zu einer Reportage, einer Rede und einem Zeitungsartikel.
© Łukasz Patryk Ueberhuber (Künstlername: Luka Iberov)
1940 wurde Leokadia Wieczorek mit ihren Eltern nach Niedersachsen deportiert, wo sie auf einem Landesgut in der Nähe von Halberstadt zwangsweise eingesetzt waren. Ende 1946 kehrte die Familie nach dem Aufenthalt in einem Displaced-Persons-Lager nach Polen zurück.
Sie lebt in Wroclaw. Seit mehr als 20 Jahren engagiert sie sich für die Arbeit der Organisation „Ehemaliger ZwangsarbeiterInnen - Vereinigung der durch das Dritte Reich verfolgten Polen“.
Zu einem Zeitungsartikel und zu einem Kurzinterview.
© Łukasz Patryk Ueberhuber (Künstlername: Luka Iberov)
Jerzy Tarasiewicz wurde während der Zwangsarbeit seiner Eltern auf einem Bauernhof geboren.
Heute lebt er in Danzig und engagiert sich in der Arbeit des Vereins der durch das Dritte Reich Verfolgten.
Zu einem Artikel.
© Łukasz Patryk Ueberhuber (Künstlername: Luka Iberov)
Miluška Ottová wurde im sogenannten Protektorat Böhmen und Mähren geboren. Ihre Mutter war Jüdin. Ihr Vater versteckte Miluska und ihre zehnjährige Schwester Ruth auf einem Bauernhof in Trojanovice. Nach der Befreiung von Ostrava am 30. April 1945 wurde die Familie wieder vereint. Die Schwestern ihrer Mutter und deren Familien kamen in den Konzentrationslagern ums Leben.
Sie hält Vorträge für Schulkinder und die Öffentlichkeit. Sie ist aktiv in der Tschechischen Vereinigung der Freiheitskämpfer, der Organisation „Hidden Child“ und der jüdischen Gemeinde in Olomouc. Sie ist und außerdem Mitglied des ehrenamtlichen Vorstands der gemeinnützigen Organisation Živá paměť (Lebendige Erinnerung).
Zu einem Videointerview.
© Łukasz Patryk Ueberhuber (Künstlername: Luka Iberov)
Marie Abrahámova wurde 1943 in einem Frauengefängnis in der Barnimstraße 10 in Berlin geboren. Marie wurde in ein Kinderheim gebracht und im Alter von 5 Monaten ihrer Mutter weggenommen und zur Adoption an eine deutsche Familie gegeben.
Marie kehrte 1947 zur ihrer leiblichen Familie in die Tschechoslowakei zurück. Sie lebt in einer Kleinstadt in Tschechien. Sie hält regelmäßig Vorträge für Schüler:innen und die Öffentlichkeit. Sie organisiert Exkursionen zu Orten der Inhaftierung und des Leidens, hält Vorträge und arbeitet an einem Buch über ihre Familie und deren Verfolgung durch das NS-Regime.
© Łukasz Patryk Ueberhuber (Künstlername: Luka Iberov)
Zeev Gelernter floh mit seiner Familie erst nach Belarus und von dort nach Nowosibirsk. Als 1941 der Krieg zwischen Deutschland und der Sowjetunion begann, mussten sie sich immer wieder neue Verstecke suchen.
Im Mai 1945 mussten sie zurückkehren. Nach vielen Zwischenstopps zog die Familie in ein Displaced Persons-Camp nach Salzburg, Österreich, und wanderte am 15. Mai 1949 nach Israel aus. Hier wurden sie erst in einem Durchgangslager in Haifa aufgenommen, bevor sie 1952 in ihr eigenes Haus zogen.
Nach seinem Militärdienst studierte Zeev und arbeitete als Elektriker in einer Stahlfabrik. 1960 heiratete er seine Frau Pnina und hat heute zwei Kinder und vier Enkel:innen. Er besucht seit vielen Jahren den Sozialclub und andere therapeutische Angebote von Amcha, die maßgeblich zu seiner Gesundheit und seinem Lebensmut beitragen.
Während ihres Aufenthalts in Berlin vom 1. - 5. Dezember 2025 wurden die Überlebenden von Mitarbeiter:innen der Stiftung EVZ begleitet.
Das Programm umfasste unter anderem Konzertbesuche in der Berliner Philharmonie und im Konzerthaus, sowie einen gemeinsamen Spaziergang über den Weihnachtsmarkt am Gendarmenmarkt. Bei einer zweistündigen Stadtrundfahrt erhielten sie außerdem einen Einblick in die Open-Air-Ausstellung „Ma Bistrass - Gegen das Vergessen“ des UNESCO Artist for Peace Luigi Toscano, der sie für sein Fotoprojekt “Gegen das Vergessen" portraitierte.
Persönliche Besuche und Begegnungen prägten die Woche in Berlin besonders:
Marie Abrahamova aus Tschechien besuchte den Gedenkort in der Barnimstraße 10 in Berlin-Mitte, wo sie 1943 während der Haft ihrer Mutter geboren wurde.
Die Gruppe aus Polen mit Bogdan Bartnikowski, Barbara Doniecka, Leokadia Wieczorek und Jery Tarasiewicz wurde vom polnischen Botschafter Jan Tombiński empfangen und besuchte ein ehemaliges Zwangsarbeiterlager in Blankenburg, in dem Bogdan Bartnikowski inhaftiert war.
Zeev Gelernter aus Israel traf den Archivar des Jüdischen Museum Berlins, um gemeinsam die Fotos aus der Privatsammlung des Ehrengastes zu sichten.
Andrei Moiseenko aus Belarus erzählte einer Schulklasse von seinem Leben und beantwortete nach einer Filmführung spannende Fragen des Publikums.
Anastasia Gulej sprach im Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit Schöneweide über ihre Lebensgeschichte und die aktuelle Situation in der Ukraine, während Roman Schwarzman aus der Ukraine junge Menschen in einer Synagoge traf.

Gruppenbild der Ehrengäste im Hotel.
© Stiftung EVZ

Die Ehrengäste beim Empfang mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.
© Stiftung EVZ

Die Ehrengäste zusammen am Tisch beim Empfang mit dem Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier.
© Stefanie Loos

Ein Blick auf die Gäst:innen des Festakts.
© Stefanie Loos

Überlebende der NS-Zwangsarbeit waren als Ehrengäste des Festakts geladen.
© Stefanie Loos

Ein Ehrengast im Gespräch mit jungen Menschen
© Stiftung EVZ

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© Stiftung EVZ

Ein Foto vom gemeinsamen Abendessen.
© Stiftung EVZ
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